PowerOcean Wechselrichter 3-phasigIm Artikel Erfahrungsbericht EcoFlow PowerOcean PV-Anlage mit 10 kWh Speicher hatte ich erwähnt, dass die Anlage bei frostigen Temperaturen ihre Heizung nicht einschaltet. Nach etlichem hin und her mit dem EcoFlow Support komme ich zu einem gemischten Fazit, dass mich im Nachhinein nicht komplett überzeugt und ich hier noch weitere Umbauarbeiten in kleinem Stil vornehmen werde, um die Sache besser in den Griff zu kriegen.

Was genau ist denn der Stein des Anstoßes? In den Prospekten von EcoFlow wird diese Anlage beworben, dass der Speicher eine eingebaute Heizung hat und somit selbst im Außenbereich installiert werden kann. Aus diesen Worten würde ich entnehmen, dass die Anlage sich im Grunde selbst darum kümmert, ihre Betriebsbereitschaft sicherzustellen. Dem folgt die Anlage - und somit auch der Einstellung von EcoFlow - nur bedingt.

EcoFlow schaltet die Heizung nur ein, wenn der Speicher entweder noch über genügend Energiereserven verfügt und noch nicht am Backup-Level angekommen ist oder die Solarpanele genügend Leistung bringen, um den Heimverbrauch zu decken und den Speicher zu laden. Was bedeutet das im Klartext? Wir sind uns so ziemlich alle einig, dass im Winter die Sonne so gut wie nie in Erscheinung tritt, d. h. der Speicher wird sich eher in der Nähe des eingestellten Backup-Levels - wenn nicht sogar direkt am Backup-Level - befinden. Damit steht aus dieser Quelle keine ausreichenden Energiereserven zur Verfügung um die Heizung bei frostigen Temperaturen zu betreiben. Darüber hinaus bringen die Solarpanele am Tag nur solange ausreichend Energie wie die Wärmepumpe nicht am rödeln ist. In dieser Situation wird immer Strom aus dem öffentlichen Netz zugeführt. Also ist die Bedingung zum Einschalten der Heizung auch hier nicht gegeben bzw. läuft gegen Null. Mit Frost ist eher in der Nacht zu rechnen wobei die Solarpanele hier überhaupt keinen Strom liefern. Schlecht für die Heizung, denn der Speicher ist mit Sicherheit am Backup-Level und verweigert weitere Energieentnahme.

Die Anlage wird sich dann nach einer Weile mit dem Hinweis bemerkbar machen, dass der Speicher unterkühlt ist. Dies ist jedoch nur eine Hinweismeldung - keine Fehlermeldung! In diesem Zustand jedoch weigert sich der Speicher irgendwelche Ladung vorzunehmen, wenn sich die Bedingungen der Solarenergie-Erzeugung kurzfristig ändern. Das führt dazu, dass überschüssige Energie grundsätzlich in das öffentliche Netz abgegeben wird. So hatte ich mir das jedoch nicht vorgestellt. Bis günstige Rahmenbedingungen für den Betrieb der internen Speicherheizung vorliegen, vergehen teilweise Tage... In der Zeit wird kein Strom gespeichert. Praktisch ist der Stromspeicher dann nur in den Sommermonaten sinnvoll - im Winter eigentlich nur an frostfreien Tagen/Nächten.

Hier mal ein Beispiel aus dem Betriebsalltag, wenn der Speicher unterkühlt ist:

 

ungünstige Situation bei unterkühltem Speicher

Wie man sehr schön erkennen kann, werden hier 1.62 kW ins Netz gepumpt... Wenigstens hat die Anlage jedoch mitbekommen, dass genügend Energie für die Heizung zur Verfügung steht und hat diese eingeschaltet ("Heating"). Das langsame Aufwärmen führt dazu, dass der Speicher Energie aufnimmt. Dennoch pumpe ich hier 1.62 kW ins Netz und erhalte 8 Cent/kWh und darf diese Energie später dann für aktuell 27 Cent/kWh wieder einkaufen. Das hätte ich gerne anders.

Bis jetzt habe ich mir immer geholfen - und so sieht das auch der EcoFlow-Support - per manueller Automatisierung einen Task zu starten, der den Speicher aus dem Netz lädt. Sofern der Speicher unterkühlt ist, wird dann automatisch die Heizung mit eingeschaltet. Das passiert auch.

EcoFlow beharrt auf dem Standpunkt, dass der Strom aus dem Netz für die Heizung zu teuer ist und man diesem Umstand Rechnung trägt, dass die Heizung nur aus vorher gespeicherter Energie oder eben den Solarpanelen gespeist wird. Ich denke also nicht, dass EcoFlow hier etwas ändern wird.

Dabei habe ich eine gänzlich andere Sichtweise auf meine PV-Anlage. Ich sehe die Anlage als Ganzes - wie ein Kraftwerk. Ein Kraftwerk kann auch nicht Energie erzeugen ohne selbst welche zu verbrauchen. Unter dem Strich muss mehr erzeugt werden als verbraucht wird. Dadurch sinkt zwar die Rentabilität aber ich will mich nicht ständig mit dem Wetter auseinandersetzen und entscheiden müssen, ob ich die Anlage früh am Morgen durch manuelles Aufladen des Speichers in einen geordneten Betriebszustand verfrachte, damit überschüssige Energie sofort aufgenommen werden kann... Und jede Energie, die nicht gespeichert werden kann schmälert ebenfalls die Rendite. Tatsache ist, dass eingekaufte Energie aus dem öffentlichen Netz immer teurer ist als die selbst erzeugte bzw. die Einspeisevergütung hergibt.

Ich denke, ich werde den Speicher - der hier auf meinem nicht frost gesicherten Dachboden installiert ist - eine Art Haube spendieren und einen Frostwächter zur Seite stellen. Wird wahrscheinlich so etwas wie ein Gewächshaus zum Überwintern mit sparsamer 135 W Frostwächterheizung. Das sind dann noch einmal Investitionskosten von ca. 100 Euro. Mal sehen, wie es dann läuft. Immerhin sind die 135 W Frostwächter entschieden weniger als die bis zu 400 W benötigte Energie für die interne Heizung der Speicher... Fortsetzung folgt - aber wahrscheinlich erst zum Ende des Jahres, denn aktuell geht die Frostperiode hier gerade zuende. Ich hoffe dann eher diesen Betriebszustand zu erreichen - auch an Frosttagen.

 

optimale Arbeitssituation EcoFlow PowerOcean