Fritz!-Mesh: Mehr ist nicht gleich besser...
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Fritz!-Mesh: Mehr ist nicht gleich besser...

Fritz! - LogoDer Hersteller Fritz! - ehemals AVM - wirbt ja mit der Mesh-Fähigkeit seiner Router und Repeater. Im Grunde ist das ein schönes Feature der WLAN-Technik. Ein Gerät bucht sich im am Besten verfügbaren Endpunkt ein ohne dass ein Verbindungsabbruch stattfindet. Soweit die Theorie. Als unbedarfter Mensch meint man, dass die Technik das ganz souverän meistern kann, wir leben schließlich im 21. Jahrhundert. Der Betrieb meines Mesh-Netzes lehrte mich jedoch etwas anderes.

Ursprünglich betrieb ich eine FritzBox 7390 an einem 16 MBit-DSL-Anschluss. Die Verteilung des WLAN-Signals wurde durch drei Powerline-Adapter bewerkstelligt, wobei zwei mit WLAN-Modul ausgerüstet waren. Schon damals gab es die Möglichkeit, die WLAN-Adapter ins Mesh-Netz aufzunehmen. Die Telekom ermöglichte dann ein Jahr später die Hochrüstung des DSL-Anschlusses auf 50 MBit, die ich sofort dankend angenommen hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine nennenswerten Probleme mit meinem Netzwerk.

Fritzbox 7590Dann kam der Tag, an dem mein DSL-Anschluss 100 MBit erreichte. Von da an gab es Probleme. Die 7390 war eigentlich nur für 50 MBit vorgesehen, ihr Modem konnte jedoch auch mit 100 MBit umgehen, wenn man Geschwindigkeitseinbuße in Kauf nahm. Da ich aber auch MagentaTV auf der DSL-Leitung gebucht hatte, war die 7390 maßlos überfordert. Also entschloss ich mich, die 7390 gegen das Nachfolgemodell 7590 auszutauschen. Damit waren meine Probleme erst einmal beseitigt.

Durch die Anschaffung eines Rasenmäh-Roboters musste ich einen weiteren WLAN-Accesspoint im Garten errichten. Das wurde mit einem weiteren Powerline-Adapter mit WLAN-Modul bewerkstelligt. Prinzipiell funktionierte es, leider wurde die DSL-Verbindung meiner Fritzbox schlagartig schlechter. Nicht nur, dass sich die Verbindungsraten zur Vermittlungsstelle drastisch reduzierten, sie wurde extrem instabil. Immer wieder brach die DSL-Verbindung zusammen. Verlässlich sah anders aus. 

Durch Einträge in den Ereignisprotokollen der Fritzbox wurde ich auf Beeinflussung des DSL-Signals durch Powerline-Signale informiert. Ich versuchte noch tagelang die Steckdosen der Powerline-Adapter zu optimieren, es half aber alles nichts. Die Störungen blieben und die instabile Internetversorgung machte Fernsehen und Surfen zur Geduldsprobe.

Die Lösung war für mich: Powerline-Adapter raus und reine WLAN-Repeater rein. Das brachte erst einmal Ruhe ins Netz. Dann kam ein neuer Fernseher - ein smartes Gerät - ins Haus. Der wollte Internet... Zwar gab es WLAN im Gerät, das allerdings zeitweise ruckelige Bilder verursachte. Also wäre es wohl besser, kabelgebunden zu arbeiten. Leider gab es im Wohnzimmer keine Netzwerkdose. Also dachte ich mir, einen alten Powerline-Adapter als Netzwerk-Client zu konfigurieren und den Netzwerkanschluss des Adapters zu einem Switch zu führen. Das klappte auf jeden Fall besser, der Fernseher ruckelte nicht mehr.

Im Schlafzimmer war die gleiche Lage. Wiederum einen Powerline-Adapter als Netzwerk-Client konfiguriert und die LAN-Buchse zu einem Switch geführt, an dem die anderen Geräte angeschlossen wurden. Soweit so gut. Nun muss man aber wissen, dass die Fritz!Powerline-Adapter grundsätzlich als Repeater arbeiten. Somit hatte ich - ob gewollt oder nicht - sowohl im Schlafzimmer als auch im Wohnzimmer zusätzliche WLAN-Repeater im Mesh installiert. Diese beiden zusätzlichen Repeater hatten den unangenehmen Nebeneffekt, dass sie scheinbar das WLAN-Signal im Garten verschlechterten - keine Ahnung warum. Also installierte ich auf der Terrasse einen neuen WLAN-Repeater. Das verbesserte erst einmal die Lage.

Doch mir fiel auf, dass sich manchmal die FritzBox als Mesh-Master abmeldete. Irgendwie waren die vernetzten Access-Points nicht mehr erreichbar. Nur ein Neustart der Fritzbox brachte Abhilfe. 

Dann kam der Zeitpunkt, dass ich mich der Heimautomatisierung zuwendete. Es mussten Sensoren verbaut werden. Nicht wenige von diesen Sensoren waren Tasmota-getrieben oder Tuya-WLAN-Geräte. Das WLAN-Netz wurde also einer größeren Belastung zugeführt. Zu guter Letzt machte sich noch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach breit. Der Wechselrichter hatte allerdings in der hintersten Ecke Probleme, sich sauber ins WLAN einzubuchen. Also wurde auf halber Strecke ein weiterer Mesh-Repeater im Flur installiert, der dieses Problem behob. Allerdings wurden die Abstände immer kürzer, an denen die Fritzbox einen Neustart brauchte, weil die Repeater abgehängt waren - nicht alle gleichzeitig aber immer wieder mal einer und nicht immer derselbe.

Fritzbox 5690 proInzwischen machte meine 7590 der ersten Generation auf sich aufmerksam, weil das 2,4 GHz-Signal des WLAN-Moduls immer schlechter wurde. Die Presse betitelte das sogar als Serienfehler, weil ein Kondensator zu klein bemessen war. In Aussicht auf einen Glasfaseranschluss wurde die 7590 gegen eine 5690pro ausgetauscht, da diese sowohl für DSL als auch Glasfaser geeignet ist. Meine Hoffnung, dass auch das Mesh-Netz stabiler wird, erfüllte sich jedoch nicht.

Dann kam der Glasfaser-Anschluss... Da ich den Provider nur vom Hörensagen kannte und niemand mir über die Qualität/Geschwindigkeiten der bereitgestellten Anschlüsse berichten konnte, entschloss ich mich, den Glasfaseranschluss parallel zum DSL-Anschluss zu behalten - eine perfekte Backup-Lösung. Für den Glasfaseranschluss wurde eine weitere 5690pro-Fritzbox angeschafft. Um diese als weiteren Router in Netz zu integrieren, wurde das Fritzbox-eigene WLAN abgeschaltet und ein Repeater mit Netzwerkbuchse neben dem Glasfaseranschluss installiert. Die Fritzbox wurde dann per LAN-Kabel an diesem Repeater angeschlossen, das WLAN deaktiviert und eine feste IP-Adresse konfiguriert. Nun konnte ich dowohl per DSL als auch Glasfaser surfen - je nachdem, welchen Router ich als Standard-Gateway eintrug.

Doch dieser neue Repeater brachte scheinbar das Fass zum Überlaufen. Die Adapter wechselten munter ihre Partner, die Endgeräte wurden von einem zum nächsten Repeater verschoben und die Häufigkeit der Abmeldungen stieg rasant an. Teilweise war mehrmals am Tag ein Neustart der Repeater oder der Fritzbox DSL nötig, die ja weiterhin als Mesh-Master diente. Das Smarthome-System wurde arg in Mitleidenschaft gezogen, manche Automationen liefen nicht mehr sauber, weil einfach die Sensoren ab und an nicht verfügbar waren. Ein sehr unbefriedigender Zustand!

Also machte ich mich mal ans Aufräumen der Netzpunkte. Im Schlafzimmer wurde der Repeater abgebaut. Der Medienspieler, der noch übrig war, hatte WLAN an Board und brauchte nicht über den Switch versorgt werden. Also Powerline-Adapter-Repeater abgebaut, Switch abgebaut und den Medienspieler per WLAN ins Netz gebracht. Somit war der erste Repeater weg.

Der Repeater aus dem Flur war in meinen Augen überflüssig. Für die Glasfaser-Fritzbox war ein paar Meter weiter im Hauswirtschaftsraum ein Repeater vorhanden. Also Repeater aus dem Flur abgebaut und im Garten am Schuppen installiert. Der am Schuppen installierte, ausschließlich 2,4 GHz-WLAN-Repeater wurde ersetzt. 

Was soll ich sagen? Seit ein paar Tagen läuft mein Netz wieder stabil. Es scheint so, dass das Fritz-Mesh-System erhebliche Schwierigkeiten hat, wenn zu viele Repeater in der Gegend ihr Unwesen treiben. Aktuell spannt meine DSL-Fritzbox das WLAN als Master auf, im Hauswirtschaftsraum steckt ein reiner WLAN-Repeater der neuesten Generation, an dem die Glasfaser-Fritzbox angeschlossen ist. Im Wohnzimmer arbeitet noch der Powerline-WLAN-Repeater, der die Geräte im Wohnzimmer mit Netzwerk versorgt. Die Terrasse hat einen kleinen Repeater und der Repeater am Schuppen rundet die hinteren Ecken des Grundstücks mit WLAN-Signal ab.

Das Smarthome-System arbeitet seit diesem Zeitpunkt wieder stabil, ich habe keine Verbindungsabbrüche mehr und es hat sich auch kein Repeater mehr abgemeldet. Ich denke, dass zuviel Repeater auf kleinem Raum zu diesem Verhalten führten. Der Verwaltungsaufwand des Mesh-Netzes scheint zu hoch geworden zu sein und die Adapter unter sich haben sich gegenseitig gestört.

Das zeigt wieder: besser planen ist besser als unnötig kaufen.

 

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