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Am 7.1.2019 war das Vorgespräch für die Operation angesetzt um den Vorgang als solches und die erforderlichen Informationen zur Narkose aufzunehmen. Bis zu diesem Tag war ich in schlaflosen Nächten hin- und hergerissen, ob es die richtige Entscheidung wäre. Deshalb äußerte ich den Wunsch, dass die Schilddrüse fotografisch festgehalten wird, bevor sie zum Schnellschnitt und anschließender Befundung gesendet wird und mir am Korpus delikti mein Krankheitsbild erklärt wird. Ich hatte die Hoffnung, wenn meine eigenen Augen sehen, was dort in meinem Hals wuchs, dass ich es dann doch noch verkraften kann, ein Organ gegen lebenslange Tabletteneinnahme eingetauscht zu haben. Das ganze Prozedere dauerte etwa 2 Stunden und ich ging nach Hause. Abends rief ich dann auf der Station an um zu erfahren, wann ich mich einfinden sollte.

Ich war wohl der erste Patient am OP-Tag, denn zwischen 06:30 und 06:45 Uhr sollte ich mich auf der Station melden. Die Anreise an diesem Morgen fühlte sich für mich an wie ein Gang auf die Schlachtbank... Ich durfte ja nichts essen, nüchtern war die Devise. Kaum im Krankenhaus auf der Station angekommen und die Aufnahmeformalitäten erledigt, musste ich mich zügig bettfertig machen, denn 30 Minuten später kam schon der Transportdienst um mich in den OP zu karren. 08:20 Uhr war der angesetzte OP-Termin. So wartete ich, dass mir das Pflegepersonal die viel berühmte LMAA-Pille (Beruhigungspille) vor der OP brachte. Das geschah jedoch nicht.

Stattdessen kam ein gut gelaunter Transporteur und fuhr mit mir durch diverse unterirdische Gänge in den OP-Trakt. Im Vorraum des OP-Saales verabschiedete er sich und ich lag dort alleine. Dann kam ein Chirurg in den Vorraum, betrachtete wortlos das Schild auf meinem Bett und sah auf den an der Wand hängenden Monitor. Dann schüttelte er den Kopf und verließ wortlos den Vorraum. Dieser Vorgang wiederholte sich noch 3 Mal, bis dann eine Gruppe von Ärzten und Chirurgen diskutierend vor meinem Bett standen. Schließlich ging die Tür hinter mir auf, der gut gelaunte Transporteur kam wieder herein, entschuldigte sich, denn er hätte mich in den falschen OP gebracht...

Na toll, sehr vertrauenserweckend... Nach etlichen Biegungen wurde ich wieder in einen OP-Vorraum geschoben, in dem mich ein freundlicher Narkosearzt empfang. Dass ich jetzt an der richtigen Adresse war, wurde mit einem Fragebogen und einem kleinen Interview bestätigt. Allerdings konnte er nur vorbereitende Arbeiten machen, da das OP-Team noch nicht vollständig wäre und er nicht an die Medikamente komme... Auch wunderte er sich, dass ich die Beruhigungspille auf der Station nicht bekommen habe...

Mir war inzwischen alles egal. Was ich als extrem unbehaglich empfand, war die Kälte. Diese Gefühl kannte ich schon seit Jahren nicht mehr aber in diesem OP habe ich regelrecht geklappert. Selbst eine Decke half nur wenig. Deshalb war ich richtig froh, als endlich die Gasmaske zur Einleitung der Narkose in meinem Gesichtsfeld erschien. Zwei, drei tiefe Atemzüge später wurde mir schwummerig und dann hatte ich den Filmriss.

Gegen 12:30 Uhr wachte ich wieder auf - allerdings nicht so, wie ich es mir erhofft hätte. Je wacher ich wurde, desto größer wurden die Schmerzen im Hals. Ich dachte, mir hätte jemand einen Brenner an den Hals gehalten. Leider konnte ich keinen Ton hervorbringen und so wühlte ich vor Schmerzen im Bett rum. Um mich herum hörte ich nur immer Worte von "... der Blutdruck ist viel zu hoch... 260:120...". Der Blutdruck war mir egal, nur die Schmerzen sollten aufhören. Zwar waren sofort Leute zur Stelle und verabreichten Schmerzmittel, doch gefühlt verging eine unendliche Zeit bis die Schmerzen endlich nachließen und aufhörten. Mit dem Weggang der Schmerzen ging auch der Blutdruck runter. Das bekam ich aber nur am Rande mit, denn ich dämmerte wieder weg.

Gegen 13:00 Uhr wachte ich dann im Krankenzimmer auf der Station wieder auf. Zwei Drainageschläuche kamen aus meinem Hals und mündeten in Beuteln, die auf der Erde unter meinem Bett lagen. Die Wunde war mit einem großen Pflaster bedeckt. Das erste, was ich so richtig bemerkte, waren tierische Halsschmerzen. Aber kein Wundschmerz sondern derart, als hätte man eine Erklältung. Wie mir das Pflegepersonal erklärte, waren das die typischen Begleiterscheinung der Beatmung während der OP. Schmerzen im OP-Bereich hatte ich nicht mehr. Gott sei Dank. Allerdings war ich noch mit Schmerzmitteln vollgepumpt, so dass ich immer wieder einschlief. Essen und Trinken durfte ich - wenn ich wollte - sofort. So richtig wach wurde ich erst am folgenden Morgen.

Am Morgen des 9.1.2019 realisierte ich dann, dass meine Schilddrüse nicht mehr da war und ich den operierenden Arzt gar nicht kannte. Ändern konnte ich jetzt auch nichts mehr aber dennoch regten sich in mir Zweifel, ob die Entscheidung die richtige war. Nach dem Frühstück überprüfte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ob Beschädigungen an den Stimmbändern und eine Stimmbandlähmung ausgeschlossen werden konnte. Bei mir verlief diesbezüglich alles in Ordnung. Nach 2 Tagen wurden die Drainageschläuche entfernt, was völlig schmerzlos von statten ging. Sofort machte ich einen Hechtsprung unter die Dusche und fühlte mich fortan wieder als Mensch. Am 11.1. nach dem Frühstück konnte ich das Krankenhaus verlassen. Die OP-Narbe war schon so gut geschlossen, dass ich nicht mal mehr ein Pflaster auf der Wunde brauchte.


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